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Im Netz der Datensammler

Weltweit häuft sich die Kritik an der Datensammelwut der Geheimdienste. Doch es sind bei weitem nicht nur die Schlapphüte, die versessen auf unsere digitalen Spuren sind. Wer hat sich nicht schon einmal gewundert, dass bei Amazon, Google & Co. neben den Suchergebnissen stets Anzeigen auftauchen, die ziemlich genau die eigenen Interessen abdecken.

Der Google-Vorstand Eric Schmidt geht mit dem Wissensdurst des Unternehmens ziemlich offen um. Berühmt ist seine Aussage aus einem bereits 2009 geführten  Interview auf CNBC: „Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.“ Später führt er dann noch aus, das Suchmaschinen, Google ausdrücklich eingeschlossen, die von den Nutzern hinterlassenen Daten für einige Zeit speichern. Schmidt begründet dies mit den Vorgaben des Partiot Act. Selbst die Weitergabe an staatliche Organe bestreitet der Vorstand nicht. Und natürlich beschränkt sich das Unternehmen nicht nur auf die Suchmaschine. Neben der wohl populärsten Anwendung betreibt der Internet-Gigant auch den Online-Atlas Google Maps, den E-Mail-Dienst GMail, den Speicherdienst Google Drive, die Büro-Software Docs, das Videoportal YouTube, das Soziale Netzwerk Google+ und das Smartphone-Betriebssystem Android. Den Endanwender erfreut es: All diese Dienste sind vermeintlich gratis zu haben. Wie das Unternehmen im Jahre 2010  einen Umsatz von 29,3 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 8,5 Milliarden US-Dollar erzielen konnte dürfte den meisten schleierhaft sein. Die Erklärung ist einfach: Wirklich kostenlos ist im Internet des Jahres 2013 nur noch sehr wenig zu haben. Während wir alle diese Dienste nutzen, werden dabei alle von uns hinterlassenen Eingaben im Hintergrund von Google gespeichert und analysiert, um anschließend die Werbung zu personalisieren. Das macht sich bezahlt: 2010 generierten die Werbedienste mit 28,236 Milliarden US-Dollar den weitaus größten Teil der Einnahmen.

Ähnlich verhält es sich bei Facebook. Mehr als eine Milliarde Mitglieder tummeln sich dort und tauschen allerlei Privates über Nachrichten und Fotos aus. Dabei steht das weltweit größte soziale Netzwerk seit seinem Start insbesondere bei europäischen Datenschützern und Sicherheitsexperten wegen mangelhafter Datenschutzpraktiken in der Kritik. Und das  soziale Netzwerk beschränkt sich dabei nicht nur auf Menschen, die sich bei ihm angemeldet haben. Auch über Nichtmitglieder weiß das Unternehmen erstaunlich viel. Wie Google setzt auch Facebook auf die Bequemlichkeit der Anwender. Alles ist wunderbar einfach gestaltet. So bietet das Unternehmen den Nutzern von Smartphones eine kostenlose Software („App“) an, um ihre Kontakte aus ihrem Telefonbuch mit den Kontakten in Facebook zu synchronisieren. Dabei werden standardmäßig sämtliche Nach- und Vornamen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Geburtstage hochgeladen und bei Facebook gespeichert. Und das selbst von Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen gar nicht bei Facebook registriert haben. Diese Auflistung ließe sich jetzt noch beliebig fortsetzen. Fest steht, dass Firmen,  soziale und Werbenetzwerke unbemerkt Daten über uns sammeln, sobald wir mit dem Internet verbunden sind. Sie registrieren, was gelesen, gekauft und angeklickt wird.

Weniger bekannt ist hingegen, dass auch die auf dem heimischen PC installierten Programme gerne in Kontakt mit ihren Herstellern treten. Meist merkt der Endanwender davon kaum etwas. Und er wird auch nicht um Zustimmung  gebeten. Welche Daten dabei übertragen werden, bleibt in der Regel unbekannt. Das Problem: Der eingehende und ausgehende Netzwerkverkehr ist mit den vorhandenen Hilfsmitteln am Computer nur sehr umständlich zu kontrollieren.

Dabei lässt sich der Datenhunger selbst ohne großes technisches Verständnis einigermaßen einfach bremsen. So gibt es für den beliebten Browser Firefox ein kleines Zusatzprogramm (Add-On) mit dem Namen DoNotTrackMe (DNTMe). Einmal installiert, blockiert die kostenlose Anwendung im Hintergrund einen Großteil der bekannten Schnüffelprogramme. Zudem zeigt es immer die Anzahl der Firmen an, die gerade versuchen, unsere Aktivitäten im Internet zu aufzuzeichnen. Wer mehr wissen will, klickt auf das DNTMe-Symbol und erhält anschließend weiterführende Informationen über die Firmen und Technologien, die gerade versuchen, mehr über uns zu erfahren. Es dürfte für die meisten sehr erstaunlich sein, wenn sie sehen, wer da so alles Daten sammelt. Nicht kostenlos, aber für Mac-Anwender sehr empfehlenswert ist Little Snitch.  Die leicht verständliche Anwendung meldet sich, sobald ein auf dem rechner installiertes Programm versucht, eine Verbindung ins Netz aufzubauen. Diese kann der Nutzer nun entweder gestatten oder ablehnen – auf Wunsch auch dauerhaft.

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