Kulturgut digital nutzbar machen

Erster Tag der Wikimania. Es ist der Tag, an dem ich mich hauptsächlich mit der Digitaliserung von Kulturgütern befasse.

Wikipedianer lieben Abkürzungen. Für nahezu jedes Projekt gibt es eine Kurzform, die in der internen Kommunikation verwendet wird, deren Bedeutung sich Außenstehenden jedoch meist nicht erschließt.

GLAM ist so eine unscheinbare Abkürzung, die wohl den allermeisten nichts sagen dürfte. Es steht für das Projekt Galerien, Bibliotheken (Libraries), Archive und Museen. Dieses verfolgt ein wirklich spannendes Konzept. Ziel ist es, das Wissen dieser Institutionen im digitalen Raum mithilfe der Wikimedia Projekte frei und offen verfügbar zu machen. Gleichzeitig will Wikipedia Kulturgüter auf diese Weise digital konservieren.

Wie wichtig dies ist, zeigt sich schon beim Einführungsvortrag von Makoto Okamoto. Der Japaner startete 2011 nach dem schweren Erdbeben und dem folgenden Tsunami  die Website saveMLAK  (Museums, Libraries, Archives und Kominkans, also Kulturzentren). Gemeinsam mit vielen Mitstreitern sammelt er dort Informationen über die Schäden an den Kultureinrichtungen im Katastrophengebiet und hilft bei der Beantragung von Hilfen. Zum Einsatz kommt dabei die Wiki-Software, die es den lokalen Akteuren leicht macht, Inhalte beizusteuern. Leider ist sehr vieles, was in den Einrichtungen gelagert wurde, unwiederbringlich zerstört worden. Ein weiteres Argument, Kulturgüter digital und vor allem dezentral zu sichern. Das bewahrt zwar nicht das Original vor Zerstörung, sorgt aber immerhin für eine virtuelle Kopie. Denn, so Okamoto, vor großen Katastrophen sei niemand gewahrt.

Ein weiteres Beispiel zur kollektiven Bewahrung von Kulturgütern ist WLM, also Wiki Loves Monuments, ein Fotowettbewerb rund um Kultur- und Baudenkmäler, der sich in kürzester Zeit zu einer unglaublichen Erfolgsgeschichte entwickelt hat. Die Aktion stammt aus den Niederlanden. Schon beim ersten Wettbewerb haben Wikipedianer dort 2010 im Rahmen des Wettbewerbs sämtliche Datensätzen des Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed in Denkmallisten in der niederländischen Wikipedia eingearbeitet. Zum eigentlichen Wettbewerb wurden dann etwa 12.500 Fotos eingereicht. Im Jahr 2011 fand der Wettbewerb europaweit statt. Unzählige Fotografen luden dabei weit über 150.000 Fotos in die zentrale Fotodatenbank aller Wikipedias hoch. Der Wettbewerb wurde 2012 neu aufgelegt, dieses Mal mit Teilnehmerländern aus der ganzen Welt.  Inzwischen ist das Projekt ein wenig zum Opfer seines eigenen Erfolges geworden, so dass wir in Hongkong in einem Workshop über eine Weiterentwicklung diskutieren. Das Ergebnis ist noch offen, aber es könnte auf eine Ausweitung auf andere Themen hinauslaufen.

Matthias Süßen Verfasst von:

Matthias Süßen arbeitet als freier Journalist, Blogger und Trainer. Er berät Medienunternehmen und wissenschaftliche Institutionen im Bereich Social Media, Mobile Reporting, Online- und Videojournalismus. Hier bloggt er zu seinen persönlichen Interessengebieten Fotografie, Reisen, Wissenschaft und Technik, Online-Journalismus sowie zu Themen der Lokalgeschichte Ostfrieslands.

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