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App-Empfehlung: Open Camera für Android

Smartphones liefern heute eine tolle Videoqualität. Und meist sind es die mitgelieferten (nativen) Kamera-Apps der Hersteller, welche die beste Bildleistung aus den Kameras herauskitzeln. Leider ist der mit den internen Mikrofonen aufgezeichnete Ton oft eher mau. Vor allem dann, wenn Umgebungs- und Störgeräusche hinzukommen. Deshalb braucht ihr als Smartphone-Filmer ein externes Mikrofon. Wer jetzt nicht gerade ein iPhone oder googles Pixel sein Eigen nennt, steht dabei vor einem Problem: Die nativen Apps arbeiten (meist) nicht mit externen Mikrofonen zusammen. Deshalb sind Androidfilmer auf Drittanbieterapps angewiesen. Eine der umfangreichsten und doch leicht zu bedienenden Apps heißt Open Camera. In diesem Beitrag stelle ich sie vor.

Das Beste gleich vorweg: Open Camera ist kostenlos und Open Source. Sie läuft auf nahezu allen Android-Smartphones mit dem gleichen Funktionsumfang. Alleine das ist schon eine große Leistung der Entwickler. Denn die starke hardware- und softwareseitige Fragmentierung auf dem Android-Markt stellt eine der größten Herausforderungen bei der Konzeption und Entwicklung mobiler Apps. Denn es ist es grundsätzlich jedem Hersteller erlaubt, sein eigenes Android-System zu erstellen, zu verändern und zu veröffentlichen. Und das tun die meisten Hersteller auch. Im Ergebnis gibt es nicht eine Version, auf die sich die Entwickler stürzen können, sondern hunderte verschiedene, für die sie ihre Apps optimieren müssen. Und das ist den Open Camera-Entwicklern in vorbildlicher Weise gelungen.

Die Hauptmenüpunkte

Screenshot der Benutzeroberfläche von Open Camera, einer Video-App
Die Benutzeroberfläche von Open Camera wirkt sehr aufgeräumt und ist intuitiv zu bedienen.

Mit Open Camera bekommt ihr eine vollumfängliche App auf euer Telefon, mit der ihr sowohl filmen als auch fotografieren könnt. Trotz des riesigen Funktionsumfangs ist die deutsche Benutzeroberfläche recht übersichtlich gestaltet, so dass sich auch Neulinge leicht zurecht finden. So seht ihr sofort, wie viel Gerätespeicher noch zur Verfügung steht, was gerade für Videofilmer wichtig ist. In ihrem Grundaufbau ähnelt Open Camera den nativen Kamera-Apps. Auf dem Startbildschirm könnt ihr zwischen dem Video- und Foto-Modus umschalten. Die Symbole sind selbsterklärend. Am oberen Rand stehen euch verschiedene Icons für die Einstellungen zur Verfügung. Während ihr über das Zahnrad allgemeine Einstellungen zur Benutzeroberfläche vornehmen könnt, gelangt ihr über das Symbol mit den drei übereinander stehenden Punkten je nach gewähltem Aufnahmemodus zu den Foto- oder Videoeinstellungen. Dort könnt ihr im die Fokus-Methode wählen, die Video-Auflösung verändern, die Einstellungen für ein Zeitraffervideo verändern, den Selbstauslöser einstellen und ein Raster einblenden, das bei der Bildgestaltung enorm hilfreich ist, den Weißabgleich vornehmen. Habt ihr bei Euren Aufnahmen die Belichtung festgelegt, könnt ihr diese über das [+/-]-Symbol in der oberen Leiste korrigieren.

Die Einstellungen im Einzelnen

Über das Zahnradsymbol gelangt ihr in die Haupteinstellungen. Auch dieses Menü ist sehr übersichtlich gestaltet, obwohl es schier unendliche Einstellungsmöglichkeiten bietet. Diese haben die App-Entwickler in verschiedenen Menüpunkten gruppiert.

Mehr Kamera-Einstellungen

Nach ein paar allgemeinen Punkten seht ihr den Menüpunkt Mehr Kamera-Einstellungen. Dort könnt ihr unter anderem den Speicherort für Eure Bilder und Fotos sowie den Speichernamen (Foto- oder Video-Präfix) festlegen.

Benutzeroberfläche

Der Menüpunkt Benutzeroberfläche

Den folgenden Menüpunkt Benutzeroberfläche solltet ihr euch vor allem nach dem ersten Start der App genau angucken. Denn dort könnt ihr die Anzeigen auf dem Bildschirm anpassen. So könnt ihr dort die Zoom-Tasten ein- und ausblenden (ich verzichte völlig auf den Kamerazoom, weshalb ich die Tasten ausgeblendet habe). Recht praktisch ist die Anzeige des Lagewinkels. Er informiert darüber, ob die Kamera gerade ausgerichtet ist. Recht neu ist die Anzeige der Lautstärke bei Videoaufnahmen. Damit könnt ihr beim Filmen sehen, ob der Ton aufgenommen wird und ob dieser zu laut oder zu leise sein könnte. Auch der Ladezustand des Akkus lässt sich anzeigen.

Foto-Einstellungen

Die Menüpunkte sind in übersichtlichen Oberkategorien zusammengefasst.

Hier könnt ihr die Auflösung einstellen. Es versteht sich von selbst, dass man hier die größtmögliche auswählen sollte. Über die Bildqualität legt ihr fest, wie stark das Bild komprimiert werden sollte. Je größer die Kompressionsrate, je kleiner die Dateigröße. Doch natürlich leidet darunter auch die Qualität. Eine Kompressionsrate von 90 Prozent ist gut. Das Bildformat könnt ihr auf .jpg stehen lassen. Wenn euer Telefon das unterstützt, könntet ihr noch RAW auswählen, um die Bilder später mit einem anderen Programm zu optimieren. Als weitere Optionen stehen noch WebP und PNG zur Verfügung, die jedoch meiner Meinung nach für Fotos keine große Verbesserung bieten. Mit dem nächsten Punkt könnt ihr festlegen, ob ihr von einer HDR-Aufnahme nur das fertige Bild oder zusätzlich auch noch alle Einzelaufnahmen speichern wollt. Das ist sinnvoll, wenn ihr diese später mit einem anderen Programm händisch in ein HDR zu verwandeln wollt. Toll ist die Möglichkeit, euren Namen bei der Aufnahme direkt in die Exif-Datei aufzunehmen. Damit könnt ihr den Herkunfts-Hinweis direkt in die Foto-Dateien schreiben.

Video-Einstellungen

Richtig begeistert bin ich von den Möglichkeiten, die Open Camera im Videobereich liefert. Kommen wir also zum für mich wichtigsten Punkt, den Video-Einstellungen. Dort lässt sich natürlich die Auflösung regeln. Im Gegensatz zu Fotos bin ich bei Videos nicht unbedingt der Meinung, dass man diese immer in der größtmöglichen Auflösung aufnehmen muss. Ich suche da immer einen Kompromiss zwischen Dateigröße und Qualität. Da ich hauptsächlich fürs Web filme, lande ich meist bei Full-HD (1920×1080 Pixel). Auch das Seitenformat könnt ihr hier einstellen. 16:9 ist jedoch meist das Mittel zur Wahl. Im folgenden Menüpunkt könnt ihr das Videoformat einstellen. Wem Kompatibilität wichtig ist, verwenden MP4 mit dem Codecs H.264. Die Videobitrate könnt ihr so stehen lassen, wie sie ist. Wer für Youtube filmt und alles ganz genau einstellen will, findet auf dieser Seite die empfohlenen Einstellungen der Plattform. Die weiteren Einstellungen sind nicht wahnsinnig wichtig. Richtig begeisternd ist lediglich der Punkt Audio-Quelle. Dort könnt ihr als Audio-Quelle das externe Mikrofon angeben. Im Videosektor ist Open Camera die einzige mir bekannte kostenlose Lösung, bei der man auswählen kann, welches Gerät für die Tonaufnahme genutzt werden soll.

Aufnahmen mit Open Camera

Der Video-Modus

Von allen mir bekannten Videoapps ist Open Camera die mit weitem Abstand beste. Im Videomodus könnt ihr selbstverständlich zwischen Front- und Rückkamera umschalten. Über die drei Punkte neben dem Zahnrad oben habt ihr einen Überblick über die wichtigsten Einstellungen, die ihr hier direkt verändern könnt. Da ich meine Kamera schon über das Hauptmenü angepasst habe, ist hier für mich der wichtigste Punkt die Wahl der Fokus-Methode. Zur Auswahl stehen Autofokus, ein Fokus mit durchgehender Schärfe, ein Makrofokus für Nahaufnahmen sowie ein Schloss, mit dem ihr den Fokus sperren könnt. Im Video- wie auch im Fotobereich ist das meist meine Fokusmethode. Denn mich stört das permanente nachjustieren des Fokus in den Automatikmodi. Was im Fotobereich einfach nur nervend ist, ist im Videobereich eine Katastrophe: Schon bei leichten Kamera-Bewegungen oder Bewegung im Hintergrund versucht die App fängt der Autofokus zum „Pumpen“ an. In der Folge wandert die Schärfe im Video hin und her. Ein wirklich unschöner Effekt, wenn er ungewollt ist. Die Lösung: Den Fokus auf das Schlosssymbol stellen. Fortan müsst ihr selbst festlegen, welcher Bereich in eurem Video scharf gestellt werden soll. Dazu tippt ihr auf dem Bildschirm einfach mit dem Finger auf die Person oder das Objekt, auf das ihr fokussieren wollt. Einmal eingestellt bleibt der Fokus dann fest eingestellt, auch wenn ihr die Kamera bewegt. Entriegeln oder neu festlegen könnt ihr den Fokus dann, indem ihr auf einen anderen Bereich tippt. Natürlich könnt ihr auch die Belichtung sperren. Das geht über das Schlosssymbol in der Hauptmenüleiste. Ist die Belichtung einmal gesperrt, könnt ihr diese über das nebenstehende [+/-]-Symbol in korrigieren.

Der Foto-Modus

Wie mit euren Standard-Foto-Apps könnt ihr natürlich auch mit Open Camera den Fokus festlegen und die Belichtung korrigieren. So weit, so gut. Aber schon der Foto-Modus liefert weit mehr als die Standard-Apps. In schwierigen Lichtsituationen helfen HDR Fotos. Dabei schießt Open Camera drei Bilder: Ein korrekt belichtetes sowie jeweils ein über- und ein unterbelichtetes Bild. Aus diesen errechnet die App dann ein ausgewogenes Bild, in dem sowohl in den dunklen als auch in den hellen Partien noch Details zu erkennen sind. Eine Alternative dazu sind Dynamic Range Optimizer (DRO)-Bilder, die Open Camera ebenfalls liefert. Im Unterschied zu HDR wird dabei nur ein Bild geschossen, dessen dunkelste und hellste Bereiche von der App angepasst. Auch Belichtungsreihen sind möglich. Daneben lassen sich der Weißabgleich und ISO-Zahl festlegen und diverse Szenenmodi von der Sportaufnahme bis zum Nachtfoto einstellen. Gesichter erkennt Open Camera automatisch und stellt diese scharf (eien Option, die sich natürlich im Menü Kamera-Einstllungen deaktivieren lässt).

Fazit

Open Camera ist eine App, die es in sich hat. Bei richtiger Handhabung können ihr sowohl im Foto- als auch im Videobereich deutlich bessere Ergebnisse als mit den meisten integrierten Kamera-Apps erzielen. Gerade die Möglichkeit, externe Mikrofone auszuwählen und die Aufnahmelautstärke anzuzeigen, unterscheidet Open Camera von anderen (kostenlosen) Apps. Die Einstellungsmöglichkeiten sind sehr groß und dürften auch Profis begeistern. Trotzdem ist die App sehr übersichtlich strukturiert, so dass sich auch Laien gut zurechtfinden und in Open Camera einen würdigen Erstaz für ihre Standard-App finden. Open Camera könnt ihr im Google Playstore kostenlos herunterladen.

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