Teil 7: Der erste eigene Dokumentarfilm

Im siebten Teil des Praxisworkshops „Filmen mit dem Smartphone“ erkläre ich, wie man sich intensiv auf einen Dreh für einen kurzen Dokumentarfilm vorbereitet und was es dabei zu beachten gilt.

Titelbild: Runner1616, Clpbrd, CC BY-SA 3.0

  1. Entwickle Deine Idee. Wähle ein Thema. Am einfachsten ist es, mit etwas zu beginnen, was Dich sehr interessiert. Definiere die Zielrichtung Deines Films und schreibe ein grobes Drehbuch oder ein einfaches Storyboard. Auch ein Dokumentarfilm sollte nicht langweilig sein. Und als Dokumentarfilmer ist es Deine Aufgabe, eine spannende Geschichte zu erzählen, Überlege Dir also die wichtigsten Szenen und Einstellungen, die Du brauchst, um Deine Geschichte zu erzählen. Zeige das Drama des wahren Lebens. Gute Geschichten leben davon, dass sie einen Helden (aka Hauptperson), einen starken Anfang, einen Mittelteil sowie ein Ende mit Auflösung und/oder Zusammenfassung haben. Falls Ihr Probleme damit habt, Eure Idee filmisch umzusetzen, guckt andere Dokumentarfilme, zum Beispiel dieses nicht ganz ernst gemeinte Werk.
  2. Kläre rechtliche und Urheberrechtsfragen. Besprecht mit Euren Interviewpartnern, was Du zeigen darfst und was nicht, wo es eventuell Probleme mit den rechten dritter geben könnte etc. etc.
  3. Die Recherche. Denk darüber nach, was, wen, wann und wo Du filmen möchtest. Finde heraus, wer die wichtigsten Personen für Dein Thema sind. Entscheide, wen Du davon befragen willst und was Du dabei erfahren willst. Frage, ob diese Menschen überhaupt für ein Interview zur Verfügung stehen und ob dies im geplanten Drehzeitraum möglich ist. Überlege Dir Fragen beginnend mit den journalistischen W-Fragen: Wer wurde betroffen, war daran beteiligt, sagte…?, Wo hat das Ereignis stattgefunden?, Was ist passiert?, Warum ist das Ereignis eingetreten?, Wie trug sich das alles zu?, Wann ist das alles passiert? sowie Woher stammt die Nachrict?. Überlege, was Du persönlich gerne wissen würdest oder was für den unbeteiligten Zuschauer zwingend gesagt werden muss, damit dieser den Film verstehen kann.
  4. Plane so viel wie möglich. Versuche, den Film mit einem Storyboard zeichnerisch zu visualisieren oder in einem Drehbuch niederzuschreiben. Nutze dabei das in Schritt 1 begonnene Script und verfeinere es. Lege die Reihenfolge Deines Films fest. Keep it short and simple: Die ideale Länge für ein Video im Netz liegt zwischen 2 und dreieinhalb Minuten. Sorge dafür, dass jede Sekunde zählt und der Film anhaltend spannend bleibt. Denke darüber nach, welche Bilder und Töne Du brauchst, um Deine Geschichte zu erzählen. Hast Du Dein Script geschrieben, zeige es Freunden, frage sie nach ihrer Meinung und gehe auf ihre Verbesserungsvorschläge ein.
  5. Schreibe einen Voice-Over-Text. Überlege, was Du persönlich an Hintergrundinformationen liefern möchtest, wie Du den Zuschauer ansprechen möchtest.
  6. Nimm die zuvor geplanten Sequenzen auf. Langweile Dein Publikum dabei nicht mit endlosen Einstellungen. Filme möglichst viele Aufnahmen nach Michael Goldblums „Five-Shot-Methode“ aus verschiedenen Perspektiven, mal von nah, mal von fern. Bleibe trotz aller Planung aber offen für ungewöhnliche Aufnahmen. Sie sind äußerst wichtig für den späteren Film. Interviewe schließlich Deinen Gesprächspartner nach den grundlegenden Interviewtechniken für Smartphonefilmer.
  7. Sichte Dein Material. Sind alle Aufnahmen im Kasten, geht es ans Sichten. Sieh Dir die Clips an und notiere zu jeder Einstellung, ob Du sie für Deinen Film ganz oder teilweise verwenden kannst, was Dir besonders gut gefallen hat und was nicht. Und sollte etwas grundlegendes fehlen, nimm es jetzt auf.
  8. Schneide Deinen Film. Bring die Clips in die richtige Reihenfolge, sprich Deinen Kommentar ein und erstelle Titel sowie Abspann. Sobald Du mit Deinem ersten Schnitt zufrieden bist,zeig ihn Freunden oder Deiner Familie und bitte um Rückmeldung. Nutze diese Verbesserungsvorschläge ein.
  9. Kläre rechtliche und Urheberrechtsfragen. (siehe Schritt 2), bevor Du den Film veröffentlichst.
  10. Veröffentliche den Film wo auch immer Du magst.

Dieser Artikel ist Teil des Praxisworkshops: Filmen mit dem Smartphone. Die weiteren Folgen:

Teil 1: Die besten Apps zum Schneiden und Filmen mit dem Smartphone

Teil 2: Die Grundausstattung für Smartphonefilmer

Teil 3: Goldene Regeln für gutes Filmen

Teil 4: Filmen nach Michael Rosenblums „Five-Shot-Methode“

Teil 5: Grundlegende Interviewtechniken für Smartphonefilmer

Teil 6: Videoschnitt auf dem Smartphone

Teil 7: Der erste eigene Dokumentarfilm

Teil 8: Weitere Informationen: Linkempfehlungen für Smartphonefilmer

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Matthias Süßen Verfasst von:

Matthias Süßen arbeitet als freier Journalist, Blogger und Trainer. Er berät Medienunternehmen und wissenschaftliche Institutionen im Bereich Social Media, Mobile Reporting, Online- und Videojournalismus. Hier bloggt er zu seinen persönlichen Interessengebieten Fotografie, Reisen, Wissenschaft und Technik, Online-Journalismus sowie zu Themen der Lokalgeschichte Ostfrieslands.

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