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Bericht über meinen Mobile Journalism Workshop in Armenien erschienen

Matthias Süßen bei einem Mobile Journalism Workshop in Jerewan (Armenien)
Bild: Media Initiatives Center

Meine Reise nach Armenien hatte es wirklich in sich. In nur fünf Tagen habe ich unglaublich viel gesehen und mich dabei in Land und Leute verliebt. Am vierten Tag meiner Reise habe ich zudem einen Workshop in Mobile Journalism gegeben, zu dem in Armenischen Medien mehrere Artikel erschienen. Mit freundlicher Genehmigung des Media Initiatives Center veröffentliche ich einen davon hier auf deutsch. Das Original in englischer Sprache findet ihr hier.

Die Geschichte ist das Wichtigste bei einem Film

Techink und Apps sind sekundär

Mobiler Journalismus gibt Menschen weltweit eine Stimme.
Mobiler Journalismus gibt Menschen weltweit eine Stimme.
Bild: Media Initiatives Center

„Wenn das Publikum sich rege beteiligt, viele Fragen stellt und interessiert ist, dann war mein Training erfolgreich“, sagt Matthias Suessen – ein deutscher Journalist, Blogger und Trainer. Er glaubt, dass die Möglichkeiten, die ein Smartphone Medienschaffenden bietet, für jeden interessant sein sollte.

Matthias war 2017 Gewinner eines Schreibwettbewerbs von Wikimedia Armenien und Wikimedia Österreich. Vor kurzem besuchte er Armenien und führte auf Anregung des Media Initatives Center (MIC) ein eintägiges Training zum Thema mobiler Journalismus durch. Blogger, erfahrene und angehende Journalisten trafen sich im Loft Center, um sich neues Wissen und neue Tools anzueignen.

Matthias erinnert sich noch sehr gut an die Zeit, als er erstmals ein Smartphone in die Hand nahm. „Plötzlich öffnete sich für mich eine ganz neue Welt. Alleine mit einem Smartphone ausgerüstet kann ich heute überall arbeiten. Wo immer ich bin – im Flugzeug, im Bus, auf der Straße – kann ich sofort mit dem Filmen loslegen, mein Material bearbeiten und direkt veröffentlichen. Und egal, wo ich hinkomme, sei es auf einer abgelegenen Insel oder in einem armen Land – überall haben die Menschen ein Smartphone. Damit sind sie nicht mehr auf die großen Medienhäauser angewiesen, wenn sie ihre Geschichten veröffentlichen wollen. Ich mag die Idee, den Leuten eine Stimme zu geben. Ich schule sie im Umgang mit dem Handy, damit sie die Geschichten selbstständig erzählen können.“

Matthias erklärte die Schulungsteilnehmer die Grundregeln des mobilen Journalismus, zeigte eine Liste der besten Apps für die Videoproduktion, führte den Videoschnitt vor und zeigte, wie und wo die fertigen Filme veröffentlicht werden können. In einer Übung ließ er die Teilnehmer ein kurzes Video produzieren.

Auch wir haben unser bestes gegeben und aus wenigen Aufnahmen mit der App Kinemaster (Android/IOS) ein kurzes Video über das Training produziert:

Matthias ist sich sicher, dass das Smartphone nicht nur dafür taugt, schöne Urlaubsvideos zu drehen und zu veröffentlichen. Es habe sich längst zu einer professionellen Technik entwickelt, die von Sendern wie beispielsweise der BBC oder Arte ganz selbstverständlich eingesetzt werde. Sie nutzen es nicht nur für die Produktion von Videos für soziale Netzwerke, sondern auch für das Fernsehen.

Der armenische TV-Produzent und Moderator Erik Antaranyan glaubt, dass wir sollten von den westlichen Ländern lernen sollten. Er kam zum Training, um neue Tools kennenzulernen und eine neue Community von mobilen Videoproduzenten kennenzulernen.

„Es ist bei Nachrichtenereignissen unmöglich, immer sofort mit einem kompletten Produktionsteams vor Ort zu sein. Wenn wir auf exklusives Material stoßen, müssen wir es drehen. Als Journalisten müssen wir uns an das Wichtigste erinnern – den Inhalt. Was die Mobiltelefone betrifft, so sind ihre Fähigkeiten heutzutage so nah an denen der professionellen Kameras. HD gilt als ein hoher Standard für armenische Fernsehsender, und mein Smartphone dreht sogar 4К“, so Erik Antaranyan.

Auch Matthias ist von der hohen Qualität, die der Mobile Journalismus liefern kann, überzeugt. Aber er zeigte auch die Grenzen auf. „Das Handy ist gut geeignet, um kurze, 1-2-minütige Videos zu produzieren. Sehr komplexe Filme sind dagegen nur schwer auf dem Handy zu bearbeiten und die Akkuleistung begrenzt die Drehdauer sofern nicht ein Ersatzakku vorhanden ist.“ Er empfiehlt zudem, viele Apps auszuprobieren: „Die eine App, die alles kann, gibt es leider nicht. Also muss man für die Produktion eines Videos viele Apps kombinieren. Das wichtigste bleibt aber nach wie vor die Geschichte. Technik und Apps sind zweitrangig und dienen nur dazu, die Geschichte zu erzählen.“

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